Donnerstag, 15. April 2010

Potosí, Bolivien

Die Fahrt von Uyuni nach Potosí ist eine Busfahrt wie man sich wohl eine Fahrt in Bolivien vorstellt: Das Gepäck ist auf dem Dach, immer mehr Bolivianer steigen zu, Säcke stapeln sich im Gang, Kinder schlafen auf dem Rücken der Mütter zwischen der Sitzlehne im Tragetuch, auf dem Schoß sitzt ein Hündchen und die Hühnchen im Karton sind zu ihren Füßen und zu all dem Tumult kommt noch Panflötenmusik über die Lautsprecher.


Potosí ist die höchste Großstadt der Welt (etwa 4000m) und sie liegt bei unserer Ankunft in goldenem Licht von der Sonne angestrahlt. Über der Stadt thront der cerro rico, wo auch die Minen der Stadt liegen, wegen denen die Spanier die Stadt gegründet haben. Über 40.000 t Silber wurden von dort geholt, heute gehts fast nur noch um Zink und Zinn, woran die Leute aber nur einen Bruchteil verdienen. Etwa 20 Bolivianos (ca. 2,- €) am Tag!


Den alten Reichtum der Stadt kann man noch schön an den Fassaden und Innenhöfen der alten Häusern und Kirchen erkennen und auch unser Hostel befindet sich in einem solchen Kolonialgebäude. Tolles Haus und genauso tolles Zimmer, jedoch ist das Personal grauenhaft unfreundlich.


Wir besuchen die Mine und bekommen "tolle" Schutzanzüge, Gummistiefel und Helme. Unterwegs werden wir noch dazu angehalten "Geschenke" für die Minenarbeiter zu kaufen: Dynamit (!) und Zünder, Coca-Blätter, Getränke, Gummihandschuhe etc. Das ist zwar eine Touristen-Tour, aber wir gehen in den funktionierenden Betrieb der Mine und da wird echt gearbeitet. Die Arbeiter arbeiten selbständig innerhalb von Syndikaten und müssen sich alles selbst besorgen oder aber bezahlen (z.B. die Pressluft oder das Dynamit, das sie verbrauchen).

Die zwei Arbeiter die wir antreffen sind Vater und Sohn. Der Vater, 45 Jahre alt, arbeitet seit 25 Jahren dort - die Lebenserwartung ist entsprechend niedrig wegen Staublunge, Arsen, Gas und was man sich sonst noch alles vorstellen kann. Im Stollen kommt der Alte uns 10m an einem Seil mit Knoten entgegen geklettert, die restlichen 20m bestehen aus Holzleitern. Ein wenig dürfen die Touris "mitarbeiten", aber nach ca. 2 Std. sind wir froh wieder an der Erdoberfläche zu sein.


Als kleine Attraktion wird am Ende noch eine Stange Dynamit für uns in die Luft gejagt... doch touristisch! Mussten wir aber beim Einkauf selbst kaufen... ;-)

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Am Nachmittag erleben wir eine etwas eigentümliche Prozession in der Innenstadt - voraus geht eine schweigende Menge, dahinter kommen Tänzer, Musikikapellen, danach seltsam dekorierte Autos und im Hintergrund auf dem Platz spielt eine jugendliche Heavy Metal Band.


Und abends gibts dann noch das am höchsten gebraute Bier der Welt (?).

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